Kommunikation · 10. September 2026
Pferd hat Angst: Ein verängstigtes Pferd beruhigen
Das Pferd ist ein Fluchttier. Sein Gehirn hat über Hunderttausende Jahre gelernt, dass hundertmal grundlos fliehen besser ist als einmal zu spät. Wenn es Angst hat, denkt es nicht und lernt es nicht. Es muss zuerst aus diesem Zustand heraus, erst dann ergibt Training Sinn.
Die erste Regel: Dein Zustand überträgt sich. Pferde reagieren äußerst fein auf unsere Anwesenheit, unsere Atmung und unsere Spannung. Hältst du die Luft an und klammerst am Seil, hast du gerade bestätigt, dass die Gefahr echt ist. Tiefes, langsames Atmen ist keine Esoterik, sondern dein klarstes Signal.
Die zweite Regel: Bewegung ohne Flucht. Einem ängstlichen Pferd hilft Stillstehen nicht, weil die Energie keinen Weg hat. Schicke es auf einen Zirkel, bitte die Schulter zu weichen, wechsle die Richtung, gib ihm eine Aufgabe. Eine Aufgabe holt den Kopf aus dem Reflex zurück ins Denken.
Die dritte Regel: annähern, weggehen, wieder annähern. Dränge das Pferd nie in das, wovor es Angst hat, bevor es weich wird. Führe es bis an die Grenze der Spannung, warte auf das erste Loslassen und gehe wieder weg. Diese Grenze verschiebt sich von selbst.
Zeichen der Entspannung: tiefer Kopf, Kauen, Abschnauben, weiche Unterlippe, Blinzeln. Das sind deine echten Ziele, nicht dass es am gruseligen Gegenstand vorbeigelaufen ist.
Ist das Pferd chronisch ängstlich, prüfe die Haltung. Ein Pferd ohne genug Bewegung, Gesellschaft und Weide lebt in dauerhafter Anspannung. Oft löst sich die Hälfte des Problems über den Alltag, nicht über das Training.
Von Tomislav Marčenić, Pferdetrainer und Reitlehrer aus Pušća bei Zaprešić.